Als der Gott Tu-to-Rakiwhanoa die groben Furchen der Fjorde mit seiner Axt in das Festland von Neuseelands Südinsel schlug, hat er ein Meisterwerk erschaffen. Darüber waren sich die Götter einig. Doch kein Kunstwerk existiert ohne Neid und Missgunst, so war auch die Göttin Te-Hine-nui-to-po (Göttin des Todes) nicht gerade glücklich als sie das vollendete Kunstwerk sah. Sie befürchtete nämlich, dass diese wundervolle Schönheit der Fjorde zu viele Menschen für immer in diesen Landabschnitt ziehen würde. Um die Menschen ihre Sterblichkeit nicht vergessen zu lassen, liess sie die Sandfliegen frei. Zweifellos haben die kleinen teuflischen Plagegeister den gewünschten Effekt erzielt…
Mit dem Auto geht es von Te Anau entlang der Milford Road zum Milford Sound. Gemäss Reiseführer dauert die Fahrt gut 2.5 Stunden, doch mit all den Fotostopps und Pausen um Sehenswertes zu erforschen, kann man die Fahrt gut zu einem Tagesausflug erweitern. Wir haben uns dazu entschieden, gleich ein paar Tage entlang der Milford Road zu verbringen und alles ausgiebig auszukundschaften!
Te Anau: Wetter schlecht. Wolken und leichter Regen! Wir ziehen trotzdem los, die Wettervorhersage klingt vielversprechend!


Der erste Stopp am Mirrow Lake. Der “Spiegelsee” nennt sich so, weil sich die Bergkette darin spiegelt und man gleichzeitig auf den Grund des Sees schauen kann. Bei weniger schönem Wetter zeichnet sich die Bergwelt nur spärlich darin ab…aber trotzdem ein
wert:


Unsere Reise endet nachmittags am nördlichsten Campingplatz vor dem Milford Sound. Die Sonne scheint, die Wettervorhersage hält was sie verspricht. Die Campingplätze sind einfach…kleine Plumsklos und nette Nischen um das Auto oder Zelt zu platzieren. Voller Elan holen wir unsere Campingstühle raus, die Sonnencrème, das Buch…


…und dann schnell festzustellen, dass die friedliche Stimmung zäh und brennend, später juckend und schwulstig getrübt wird!! Sandfliegen!!!
Sandfliegen an den Beinen, Sandfliegen an den Armen, Sandfliegen auf dem T-shirt und an den Füssen! Die glorreiche Idee Insektenspray (von uns liebevoll Indusriekeule genannt, weil soviel Chemie drin) zu benutzen scheitert…die zähen Beisserchen sind resistent! Da hilft nur die Flucht ins Auto…doch dort kommt es einer Sauna nahe…ab in den Wald, das ist die rettende Lösung!!




Der Wald ist mystisch und angenehm kühl. Sogar der kleine Robin (so heisst der süsse Vogel) leistet uns Gesellschaft. Doch leider können wir nicht ewig im Wald bleiben und opfern uns gezwungenermassen den Sandfliegen. Schnell was kochen und ab ins Auto (komischerweise verbringen alle Nachbarcamper den schönen Abend im Auto…?!
). Mit geschlossenen Fenstern und muffiger Luft wird geschlafen…immerhin habe ich diese Nacht mal nicht gefroren!!
Neuer Tag, schlechteres Wetter!! Wir vervollständigen die Fahrt zum Milford Sound nach einer Nacht des Kratzens!! Diese Bisse brennen nicht nur sondern jucken grauenhaft!! Rote Pusteln sind das Resultat…aber zum Glück nur an den Beinen! Immerhin haben wir herausgefunden, dass diese Biester Wärme nicht ertragen…sie gehen kläglich ein….chchchch!!! 

Die nächsten Stopps werden an Wasserfällen und Seen gemacht. Die zu erreichen beinhaltet jeweils einen kleinen Spaziergang durch den Wald, wo es vieles Schönes zu sehen gibt…








Wir durchfahren einen der einzigen Tunnels Neuseelands und gelangen paar Kilometer später an den Milford Sound, dort wo die eindrucksvollen Fjorde eine der wunderbarsten Landschaften der Südinsel darstellen SOLLEN! Naja…heute braucht man dafür sehr viel Phantasie… 


Um euch die Originalität dieser Region bildlich dazustellen, hier ein Vergleich: Bild 1) made by Katja, Bild 2) irgendwo aus dem Internet:


Auf dem Rückweg überlegen wir uns, ob wir noch eine Nacht mit den Sandfliegen in Kauf nehmen und evtl. am morgigen Tag das vielleicht schöne Wetter für eine alpine Wanderung nutzen. Die Ratlosigkeit und das Abschätzen ob das Sandfliegenübel die Wahrscheinlichkeit von Sonnenstrahlen wirklich wett macht, wird schlussendlich von unserem Ömchen entschieden. Nach stetigem bergauf fahren hat das Auto nicht nur angefangen zu stinken, sondern es entwickelte sich Rauch unter der Kühlerhaube! Help…!! Kleine Pause…weiterfahren und hoffen, dass die gute Omma nicht im aufwärtsgehenden und jeweils zeitweise einspuriggeführten Tunnel abverreckt!! (…und ich am Steuer…na Bravo!!).

Aber die Oma ist eine von uns und lässt uns nicht im Stich. Wir entscheiden uns nichtsdestotrotz den Weg ins Tal hinter uns zu bringen und die erst beste Werkstatt anzupeilen. Die Talfahrt wird durch mehrere Stopps unterbrochen, wir wollen das Auto jetzt nicht überstrapazieren. Nicht nur wir ziehen dank unserer qualmenden Motorenhaube die Blicke auf uns, nein auch ein kleiner Bergpapagei hat es drauf. Schnell den Apparat ziehen und von dem frechen Kea ein Bild knipsen!


In der Werkstatt kann der Typ uns nichts genaueres sagen, füttert aber die Oma mit leckerem Quality-Motorenöl…wir hoffen es liegt wirklich nur am Öl…! 